Bundeskanzlerin Merkel hat im Rahmen des Treffens der NATO- Staats- und Regierungschefs am 25. Mai 2017 zwei Segmente der Berliner Mauer eingeweiht, die Deutschland der NATO für das neue Hauptquartier geschenkt hat. Die beiden Mauer-Segmente stehen für den Sieg der Freiheit über Unterdrückung und für die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas.  Die Alliierten der NATO hatten der Berliner Mauer stets ihr Bekenntnis zu Freiheit, Demokratie und Menschenrechten entgegengesetzt.

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(© BBK)
Ein wichtiges Detail der Aufstellung der beiden Mauerstücke – es war das Technische Hilfswerk (THW), das den Transport der beiden Segmente von Berlin nach Brüssel übernommen hat. 

Und es waren auch THW-Mitarbeiter, die die beiden Mauerstücke passgenau auf das Fundament stellten. Doch was hat das THW mit der NATO zu tun?

Die NATO - eine politisch-militärische Organisation mit einer zivilen Seite

Als die Bundesrepublik 1955 der NATO beitrat, übernahm sie für sich das Konzept der Gesamtverteidigung: Militärische und zivile Verteidigung ergänzen sich, um neben der Verteidigung des Territoriums und der Unabhängigkeit auch den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Das damals noch junge THW wurde integraler Bestandteil der deutschen Zivilschutzorganisation. Diese sorgte sich nicht nur um die Sicherstellung lebenswichtiger Dienstleistungen durch die behelfsmäßige Instandsetzung von Infrastrukturen. Da kriegerische Auseinandersetzungen regelmäßig auch zu Schäden an Häusern und Arbeitsstätten führen, sind Retten und Bergen elementare Fähigkeiten im Bevölkerungsschutz. Dass dazu Trümmerteile sicher bewegt werden müssen, liegt auf der Hand.

Retten und Bergen - elementare Fähigkeiten im BevölkerungsschutzAuch wenn die beiden Segmente der Berliner Mauer eher in übertragenem Sinne „Trümmer“, nämlich Trümmer der Geschichte sind: Mit dem stattlichen Gewicht von über 2,7 t pro Segment und einer Höhe von rund 3,60 m kommen die beiden Stücke des Mauertyps „Grenzmauer 75“ in ihren Abmessungen den realen Bedingungen eines Zivilschutzeinsatzes „Retten und Bergen“ recht nahe. Zudem war die Stelle für die Aufstellung wegen Lichtmasten und Bäumen nicht ohne weiteres zu erreichen; ein neu angelegtes Rasenstück mit weichem Untergrund erschwerte die Aufgabe zusätzlich. Diese besondere Fähigkeit „Retten und Bergen“ war daher gefragt, als es darum ging, die beiden Segmente der Berliner Mauer vor dem neuen NATO-Hauptquartier aufzustellen.

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(© THW)
Die Verantwortlichen in der NATO waren beruhigt, dass diese Aufgabe durch deutsche Zivilschutzkräfte des THW erledigt werden sollte. Denn das THW genießt einen exzellenten Ruf: Zuverlässig, effektiv und effizient - kurz: professionell. Damit sollte sichergestellt werden, dass kurz vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs keine neuen Herausforderungen für die Organisatoren entstünden. Und genau so war es auch. Das THW kam und lieferte passgenau. Es hat so seine Reputation bestätigt und ganz nebenbei die Sichtbarkeit des Zivilschutzes in der NATO erhöht.

Art. 3 NATO-Vertrag: Zivilschutz und Selbstverpflichtung zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit

Denn die Allianz wird von vielen Menschen als reines Militärbündnis wahrgenommen. Die politische Komponente kennen einige. Dass der Schutz der Zivilbevölkerung von Anbeginn Bestandteil der Arbeit des Bündnisses ist, wissen wenige. Dem Artikel 3 des NATO-Vertrages sieht man seine Bedeutung auch kaum an. Daher haben die Staats- und Regierungschefs in Warschau 2016 dessen Aussagen in einer Selbstverpflichtung zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit (Resilienz) nochmals bekräftigt. Dank des THW-Einsatzes in Brüssel haben nun viele eine konkrete Vorstellung, was diese politische Willenserklärung ganz praktisch bedeutet.

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